Ville Française – Ein Klassiker in Hanoi

Hanoi Ville Francise Symbolbild

Schatten alter Alleen, der Hoan-Kiem-See schimmert matt, und um ihn herum träumt das französische Hanoi. Ausgerechnet hier, im ehemaligen Europäerviertel, treffen die Pariser Belle Époque und der reale Sozialismus in eigentümlicher Elegie aufeinander.

Flaniert man über die einstigen Prachtboulevards – vorbei an der Rue Paul Bert, einst die „Rue de la Paix des Fernen Ostens“ –, spürt man die Wehmut vergangener Dekaden. Das neoklassizistische Opernhaus von 1901 scheint der Pariser Opéra Garnier hinterherzutrauern, nur eben eine Nummer kleiner. Gegenüber wacht das Legenden umwobene Hôtel Métropole, und nicht weit entfernt steht die imposante Banque de l’Indochine, deren glanzvolle Kolonialarchitektur heute schlicht der staatlichen Außenhandelsbank dient.

Die Stadt erzählt hier pausenlos von verschwundenen Welten. Um am Westufer 1886 die St.-Joseph-Kathedrale zu errichten, riss man kurzerhand Hanois bedeutendste Pagode ab und finanzierte den Kirchenbau makaber per Lotterie. Heute hat der einst leuchtende Anstrich des Gotteshauses ein melancholisches Mattgrau angenommen. Doch pünktlich zur Abendmesse um 18 Uhr quillt das Portal über vor Gläubigen. Ein flüchtiger Moment, in dem die Zeit in den schattigen Boulevards plötzlich stillzustehen scheint.

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