
Vietnam-Nha-Trang-Po-Nagar-Heiligtum©Vietnam-Tours.de
Oben auf dem Hügel über dem Cai-Fluss herrscht eine meisterhafte Melancholie des Fragments. Die Anreise aus dem Zentrum von Nha Trang ist denkbar kurz: Man folgt der Küstenstraße Trần Phú nach Norden, überquert die Xóm-Bóng-Brücke und erblickt nach kaum zehn Minuten Fahrt die roten Ziegeltürme auf ihrer Anhöhe.
Die zwischen dem 7. und 12. Jahrhundert errichtete Tempelanlage ist heute vor allem eine Elegie an das, was nicht mehr da ist. Von den ursprünglich zehn Bauten stehen noch vier; der Rest fiel den Überfällen der Malaien, Javaner und Khmer zum Opfer, die hier alles raubten, was nicht steinern war. Am Fuß des Hügels zeugen nur noch zehn Säulenstümpfe von der einstigen Pracht der Meditationshalle. Wer den Hügel dennoch erklimmt, blickt auf den 24 Meter hohen Nordturm aus dem Jahr 817, das Herzstück der Cham-Baukunst. Über dem Portal tanzt der vierarmige Shiva für die Ewigkeit, während drinnen die schwarze Göttin Po Nagar auf ihrem Lotosthron thront. Früher stand an ihrer Stelle ein goldener Lingam, doch die Khmer haben ihn im Jahr 918 mitgenommen. Im Schrank dahinter warten ihre prächtigen Gewänder geduldig auf die nächsten Modewechsel des Jahres.
Direkt daneben befinden sich der Zentralturm aus dem 12. Jahrhundert, eine etwas unbeholfene Rekonstruktion aus den Trümmern seiner Vorgänger, sowie der kleine Südturm und der verschlossene Turm für Ganesha. Dass spätere Restaurierungen eher hemdsärmelig geraten sind, passt zu diesem Ort, an dem die Geschichte nie aufgehört hat, Spuren zu verwischen.
Und doch verharrt die Anlage nicht in stummer Vergangenheit. Täglich erwacht der Hof vor den Ziegelbauten zum Leben: Tänzerinnen in farbenfrohen, traditionellen Seidengewändern führen elegante Fächertänze und kunstvolle Balancen mit Keramikkrügen auf den Köpfen auf. Der Rhythmus der charakteristischen Ginan-Trommel und der durchdringende Klang der Saranai-Oboe hallen dann durch die alten Steine – ein Spektakel, das man schwerlich verpassen sollte. Finde ich.